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FÜR ELTERN

Dieser Artikel soll dazu beitragen, die Aufgabe und das Wesen der vom Staat unabhängigen, privaten Sekundarschulen (üblicherweise Klasse 9-12) in den Vereinigten Staaten zu erläutern. Der Autor, Dr. Phil Hadley, ist selbst seit vierzig Jahren in diesem Bereich tätig und gegenwärtig Rektor einer Schule, die sowohl Internats- als auch Tagesschüler auf ein künftiges Studium vorbereitet.

In Amerika sind die Unterschiede zwischen dem staatlichen und dem privaten Schulsystem hinsichtlich Qualität, Anspruch und Zielsetzung gewaltig. Es ist daher wichtig, diese beiden Typen, bei denen es sich in der Tat um zwei völlig verschiedene Dinge handelt, klar voneinander abzugrenzen.

„Independent schools“ machen nur zwei Prozent der höheren, auf das College vorbereitenden Schulen in den Vereinigten Staaten aus. Der Begriff „unabhängig“ bezieht sich dabei auf die Art und Weise, wie diese Einrichtungen geleitet werden. Obwohl unsere Schulen vom Staat und von den regionalen Bildungsbehörden anerkannt sind, werden der Lehrplan und die Aktivitäten nicht von öffentlichen Stellen – sei es seitens der Politik oder seitens einer Glaubensgemeinschaft – mitbestimmt. Während in Amerika öffentliche Schulen dazu verpflichtet sind, der gesamten Bevölkerung zu dienen, können private Institutionen ihren Auftrag selbst definieren und ihren Lernplan derart gestalten, dass er diese Zielsetzung unterstützt. Da Schüler, die diese unabhängigen Einrichtungen besuchen möchten, bestimmte Voraussetzungen erfüllen müssen, ist das Niveau deutlich höher und der Lehrplan anspruchsvoller.

All diese Vorteile, die vom Staat unabhängige Schulen genießen, haben ihren Preis. Diese Bildungseinrichtungen erhalten keine öffentlichen Gelder, sondern sind vollständig auf private Geldquellen angewiesen. Die Schulen werden nicht vom Staat oder Bundesstaat unterhalten, sondern finanzieren sich über das Schulgeld, welches die Eltern ihrer Schützlinge bezahlen, und über Spenden von Ehemaligen und Förderern der Schule. Ganz gleich ob Grund-, Mittel- oder Oberschule, ob Internat, Tagesschule oder beides zugleich, ob gemischte oder reine Mädchen- oder Jungenschule: Privatschulen halten an einer Reihe gemeinsamer Ideale fest - allen voran (um es mit den Worten der National Association of Independent Schools zu sagen) „Unabhängigkeit, Zusammenarbeit, Dazugehörigkeit, Vielfältigkeit und Innovation“.

Familien, die ernsthaft darüber nachdenken, ihr Kind auf eine Privatschule zu schicken, tendieren zu dieser Überlegung, weil diese Institutionen Vorzüge gegenüber den örtlichen öffentlichen Schulen zu bieten scheinen. Einige der am häufigsten zitierten Vorteile sind folgende: kleinere Klassen, in denen die Schüler Gelegenheit haben, den Unterricht mit zu gestalten, ein strafferes Gesamtstudienprogramm, das darauf abzielt, die Schüler auf das College vorzubereiten, bessere Möglichkeiten, Führungskompetenzen zu entwickeln und sich sportlich einzubringen, eine sicherere Umgebung sowie die Chance, in einer klar strukturierten Umgebung zu leben oder zu lernen, in welcher die an das Verhalten oder die Leistung gestellten Erwartungen hoch aber auch klar formuliert sind und eine gute Betreuung gewährleistet ist.

Normalerweise bieten private Sekundarschulen ein Studienprogramm an, das auf Schüler mit überdurchschnittlicher akademischer Fähigkeit zugeschnitten ist, die nahezu alle ein Hochschulstudium anstreben. Dementsprechend anspruchsvoll sind auch die dort angebotenen Kurse. Zugleich sind diese Privatschulen stolz darauf, dass es ihnen auch gelingt, den akademischen Bedürfnissen und Bestrebungen einer Vielzahl von Schülern mit ganz unterschiedlichem akademischem Potenzial zu entsprechen. Akkreditierungsvorgänge und interne Prüfverfahren gewährleisten, dass die Lehrpläne anspruchsvoll aber nicht zu ambitioniert sind. Das Zahlenverhältnis von Lehrkräften und Schülern ist derart gestaltet, dass die Lehrer die Möglichkeit haben, sich ein Bild davon zu machen, zu welcher Leistung der einzelne Schüler fähig ist, und darauf zu achten, dass er diese auch umsetzt. Kleinere Privatschulen können diese Ziele aufgrund ihrer Größe und Philosophie normalerweise sehr viel besser erreichen als größere öffentliche Schulen, die gewöhnlich eine viel unflexiblere Herangehensweise an den Tag legen.

Amerikanische Internate bieten Schülern bestimmte Vorteile. Die strengen Akkreditierungsnormen geben die groben Richtlinien für die Qualität der Ausbildung vor, aber als bester Indikator für das hohe Niveau kann der Erfolg der Absolventen herangezogen werden. Beim Wettbewerb um einen Platz an einem College sind Internatsschüler äußerst konkurrenzfähig und die Ergebnisse, die sie laut Statistik in dem landesweiten Examen der Collegevorbereitungskurse erzielen, veranschaulichen die Güte ihrer Ausbildung. Internationale Schüler nehmen an denselben Kursen teil und die Deutschen unter ihnen, die ein amerikanisches Internat besuchen, zeichnen sich meiner Erfahrung nach besonders aus. Die deutschen Schüler sind der Ansicht, dass die Anforderungen und der Schwierigkeitsgrad an ihrem amerikanischen Internat höher sind als an ihrem deutschen Gymnasium und schneiden, wenn sie nach einem Jahr nach Deutschland und an ihre Schule zurückkehren, dort sehr gut ab. Die vielen Rückmeldungen, die ich von ehemaligen Schülern erhalte, bezeugen, dass ihnen ihr Jahr in Amerika viel gebracht hat.