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ERFAHRUNGSBERICHT

Adrian Wangerin (September 2007)
Bericht 2 von 3

 

 
 

Servus!

Nun ist das erste Jahr schon vorbei und ich frage mich: Wo zum Teufel ist diese ganze Zeit hin? Nun, eigentlich kann ich es mir ja erklären- ich war immer sehr, sehr beschäftigt. Die ersten drei Monate habe ich gebraucht, mich richtig einzuleben. Ein neuer Tagesablauf, anderes Essen, class mates aus aller Welt und neue Lehrer. Diese ersten Wochen rauschen viel schneller an einem vorbei, als man sich vorstellen kann. Es kann sich kein Alltagsgefühl breit machen. Alltägliches ist wie zu Hause. Wochen, die schnell vorüberziehen, fühlen sich neu und frisch an. Interessanter Unterricht, Super Lehrer und American Football, das ist mein Ding. Die Tage und Wochen vergehen und die Zahl auf meinem Laptop, welche die Tage bis zu den nächsten Ferien anzeigt, schrumpft rasend schnell. Dann kommt schon Weihnachten.

Endlich zu Hause. Ich bin so voller Ideen und Aktivitäten und habe mir soviel vorgenommen. Aber zu Hause schafft man nie wirklich alles, was man sich vornimmt. Am Ende bereut man immer, nicht jeden Tag schon um 8 Uhr aufgestanden zu sein, um noch etwas Interessantes reinzuschaufeln. So bleibt´s bei Weihnachten. Nichts unternehmen, nur Freunde treffen und die eigene Familie genießen.

Dann folgen 2 Monate, die selbst im lausig kalten Winter wieder unheimlich schnell vergangen sind aber akademisch am wenigsten anstrengend von allen 3 Terms waren. War schon schön, beim Footballspielen den tiefen Schnee auf dem Campus in glitzernder Sonne zu genießen. Während des „march breaks“ war ich dann endlich wieder zu Hause. Und als ich dann dort war, fühlte es sich an, als hätte ich vor einer Woche erst an dem selbem Bahnsteig gestanden.

Der dritte Term folgte schon. Als ich am 25. März wieder nach Toronto flog, wusste ich: „So Junge das wird jetzt ganz und gar nicht spaßig.“ Jeder von uns wusste, wie wichtig dieser Abschnitt werden würde. Aber es war auch wieder spannend wie ein Krimi, so dass ich die Zeit wieder an mir vorbeigerauscht ist. Trotz aller Anstrengungen, nun ja, ich brauchte meinen Schlaf. 3 Mal die Woche morgens von 6-8 Uhr Tennistraining, dann Schule bis nachmittags, also geht das schon noch in Ordnung. Aber nach einigen Wochen bekam ich ein ganz komisches Gefühl. Alle Jungs in Seaton´s wurden ruhiger, verbrachten mehr Zeit in ihren Zimmern, und jeder hatte ständig nur die große schwarze Figur mit der Sichel in der Hand namens EXAM vor Augen. Wenn man nur für ein Jahr weggeht, sind die Endjahresprüfungen wirklich nicht so eine große Sache, doch wenn man wie ich vorhat, seinen Abschluss, also sein IB, in Kanada zu machen , zählen diese Prüfungen wirklich eine ganze Menge.

Dann ging es Mitte Mai irgendwann los: Lernen, lernen, lernen. Jeder sucht sich seinen Platz. Ich bin meistens in den Keller gezogen, um zu lernen, nachts, alleine an einer Tischtennisplatte, das war der Ort, an dem ich mich am besten konzentrieren konnte. Dieser komische Raum, mit einer Colamaschine bestückt, den alle 50 Jungs im Haus mindestens 5 Mal am Tag betreten, ist meine Lernzentrale gewesen und blieb es, obwohl er dann auch noch mit Pappkisten voll gestellt wurde. Keine Ablenkung, totale Stille, ich finde es trotz allem richtig gemütlich. Die Prüfungen sind dann sehr gut verlaufen und nun warte ich eigentlich nur auf das 2. Jahr. Wann geht es bloß wieder los.

Wenn ich merke, was ich aus diesem Jahr an Erfahrungen und Wissen mitgenommen habe, und mich dann mit dem Adrian, der ich in Deutschland geblieben wäre, vergleiche, dann weiß ich, dass es keine bessere Entscheidung für mich gab als diese Schule. Es ist ein Traum an Kameradschaft, Zusammenhalt und Internationalität. Die Welt eröffnet sich einem, sie wird grenzenlos und nicht nur das: Auch die Kanadier sind phantastische Gastgeber, sehr freundliche und hilfsbereite Menschen, die sich im Übrigen sehr von den Amis unterscheiden und dies auch immer wieder zum Ausdruck bringen. Chillen mit kanadischen school mates an langen freien Wochenenden und Snowboarden am Mont Tremblant bei – 52° C bleiben unvergesslich. Kanadier haben mir auch im privaten Rahmen immer geholfen, meine Ziele zu erreichen. Dazu kommen kanadische Lehrer, die uns begeistern, für die wir durchs Feuer gehen würden und die wie Freunde zu uns sind. Offensichtlich gibt es sie nur dort. Für Gruppenzwang durch hypermoderne Handys oder modische Spinnereien war einfach keine Zeit, haben wir hier nicht erlebt, sondern schnell begriffen, uns auf wichtigere Dinge zu konzentrieren.

Alles in Allem war das 1. Jahr ein eine tolle neue Erfahrung, die mich viel selbständiger gemacht hat und die mich in andere Verantwortungsebenen für mich selbst, für meine Eltern und auch für meine Lehrer und meine Schule katapultiert hat.


 
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