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ERFAHRUNGSBERICHT
Sara Maatz (Januar 2010)
Bericht 2 von 6
Die ersten Wochen
Ich bin an einem Freitag geflogen und hatte deshalb noch das Wochenende, bis die Preseason
begann. Da meine Tante mit mir geflogen ist, haben wir noch das Wochenende in Philadelphia
verbracht und hatten eine Menge Spass. Ich war so naiv und dachte, dass ich kein Heimweh
bekaeme und dass alles wohl irgendwie gut werden wuerde.
Naja, das alles hat sich dann ziemlich schnell geandert, als meine Tante mich meiner Gastfamilie
“ueberreichte”. Ich habe geweint wie ein Schlosshund und dachte, ich schaffe das nie.
Am Montag brachte mich meine Host family dann zur Schule und ich spielte eine Woche soccer. Ich
muss ehrlich sein und sagen, dass das wohl die schlimmste Zeit hier war. Ich konnte nicht schlafen,
bin morgens um 5 Uhr vor lauter Heimweh aufgewacht und habe die ganze Zeit gedacht, ich schaffe
das alles nicht. Dass vieles davon psychisch war, ist ja klar, denn wer hat schon Heimweh nach ein
paar Tagen? Ich war ja noch nicht einmal eine Woche von Zuhause weg. Ich muss aber sagen, dass
ich von der Schule jede erdenkliche Unterstuetzung bekam. Wenn ich waehrend des Trainings mal
weinen musste, hat mich unsere Co – Trainerin in den Arm genommen und ist mit mir ein wenig
spazieren gegangen. Auch die anderen Maedels aus der Manschaft hatten volles Verstaendnis und
deswegen musste ich mich zumindest nicht verloren fuehlen.
Mein Fehler war auch, dass ich mehrmals am Tag zu Hause angerufen habe. Ich habe mir eingeredet,
dass ich mich dann besser fuehlen wuerde, aber lange Zeit hat es mich davon abgehalten, mich
richtig einzuleben.
Das Schlimmste war, dass ich nicht wusste, was in der Schule auf mich zukommen wuerde und
deshalb wurde auch alles besser, als die Schule anfing.
Meine Schule hat definitiv alle Erwartungen uebertroffen. Der Campus ist ein Traum und man ist nie
wirklich alleine. Alle kuemmern sich intensiv um jeden Schueler und wollen wirkich unser Bestes.
Natuerlich war ich voellig ueberwaeltigt nach den ersten Tagen in der Schule und das blieb auch
eine Weile so - sei es wegen der vielen Hausaufgaben oder des intensiven Sports. Ich brauchte ewig
fuer meine Hausaufgaben und wurde trotzdem nicht immer fertig. Aber nach einer Weile wurde es
einfacher und mittlerweile habe ich sogar Zeit, jeden Tag Klarinette zu ueben.
Natuerlich hatte ich noch immer Heimweh, aber ich konnte auch schon mal Dinge geniessen und
hatte nicht mehr dieses Dauer – Heimweh wie zu Anfang. Alles wurde besser und ich fand Anschluss
und Freunde. Es sind zwar keine tiefen Freundschaften, aber es ist zumindest so, dass man Leute
zum Reden, Lachen und Ausweinen hat, wenn man mal traurig ist.
Ich habe nach einer Weile gelernt, nicht das Jahr in seiner ganzen Laenge zu sehen, sondern in
einzelnen Abschnitten. Ich denke, dass das ungeheuer wichtig ist, um die Zeit durchzuhalten. Ich
nehme mir jeden Monat etwas Schoenes vor, zum Beispiel einen Shopping - Trip, einen Besuch
meiner Tante oder ein schoenes Wochenende mit meiner Host family.
So geht jeder Tag viel schneller herum und ich kann mich auch durch weniger erfreuliche Schultage
gut durcharbeiten.
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