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ERFAHRUNGSBERICHT

Svantje Titulski (Dezember 2008)
Bericht 1

 
 

Heute ist Freitag, der 5. September 2008 und somit das Ende meiner zweiten Woche an der Indian Springs School in Alabama. Ich habe schon die ersten Freundschaften geschlossen und mein „Roommate“ und ich machen bereits Pläne für ein paar gemeinsame Tage in Deutschland über die Sommerferien.
Heimweh ist bisher noch nicht eingetreten. Jeder Tag ist voll von neuen Sachen und der Unterricht kommt einem gar nicht so sehr wie Schule vor. Wir sitzen nicht in Reihen sondern im lockeren Halbkreis wo wir über alles Mögliche diskutieren: ob Columbus Day Anlass zum Feiern ist oder nicht, ob der Aeneid wirklich ein großes lateinisches Werk ist, Obama oder McCain, jonglieren oder Zungenbrecherdialoge für unser eigenes kleines Theaterstück, und wie AP Bio trotz all der Arbeit so schnell zu unserem Lieblingsfach geworden ist.
Als ich vor zwei Jahren angefangen habe darüber nachzudenken, an eine Boarding School zu gehen, hatte ich eigentlich absolut keine Ahnung, was ich mir darunter vorstellen sollte. Mein Vater hatte die Idee, als ihm ein Freund von den tollen Erfahrungen seines Sohnes erzählt hat, der ein Jahr vorher mit ssb an eine Boarding School gegangen war. Wir haben uns ein bisschen informiert und sind im November nach Hamburg gegangen, wo sich ein paar Schulen von ssb vorstellten. Mein erster Favorit war schnell gefunden: seltsamerweise eine „All Girls Boarding School“ in Texas, was eigentlich nicht so sehr nach mir klingt. Ein Jahr später gingen wir wieder nach Hamburg und trafen diesmal auf ein paar andere Schulen. Ich unterhielt mich die meiste Zeit mit dem Direktor einer Mädchenschule in Ohio, die im nächsten Jahr auch das erste Mal Jungs aufnehmen wollte. Die Schule klang doch nach einem so langen Gespräch gleich viel interessanter und der Direktor gab mir sogar eine mündliche Zusage, mich anzunehmen.
Letztendlich bin ich weder in Texas noch in Ohio gelandet. Frau Nottebohm hatte für mich eine andere Schule im Sinn, eine, wo ich nach zwei Tagen bereits mit Einladungen überhäuft wurde doch bitte über Weihnachten und Spring Break zu bleiben und wir (eine Amerikanerin, eine Kroatin und ich)bereits große Pläne für die Mitternachtspremiere von Twilight geschmiedet haben.
Die ersten zwei Wochen waren voll mit kleinen und großen Abenteuern. Am ersten Schultag gab es sogar eine Tornadowarnung und statt Unterricht hat sich die gesamte Schule im Theater versammelt und eine Stunde lang Monopoly und UNO gespielt, bis wir wieder raus durften. Am ersten Freitag hatten wir Lake Day, wobei sich nach dem Unterricht alle Schüler bei freiem Eis und in Badesachen am schuleigenen See versammelt haben. Am Abend kam dann der back-to-school-dance, wo sich auch die Lehrer und deren Kinder schick machten und alle zusammen gefeiert haben. Und heute war Pyjama-Friday, wobei fast alle Schüler in witzigen Flanell-Pyjamahosen und mit Bettfrisur herumgelaufen sind.
Ich, und auch die anderen internationalen Schüler (drei davon auch aus Deutschland, aber größtenteils Koreaner) und generell neuen Schüler fühlen sich hier so willkommen, dass man eigentlich gar nichts machen muss, um sich hier einzuleben, außer manchmal einfach dumm rumzustehen und innerhalb von ein paar Minuten bist du plötzlich in der Mitte eines Gesprächs, mit Schülern und/oder Lehrern.
Bisher kann ich einfach nur sagen, dass sich das Abenteuer so weit gelohnt hat und ich es definitiv weiterempfehlen kann. Ich bin noch immer ziemlich aufgeregt, nervös, wenn ich aufgerufen werde, habe alles andere als Heimweh und bin gespannt, was noch so alles passieren wird, wenn das Jahr erst mal so richtig angefangen hat.
 
 
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