Der letzte Abschnitt
Jetzt sitze ich schon wieder zu Hause in Deutschland und denke an meinen letzten Abschnitt in den USA nach. Die Zeit zwischen Winter Break, in der ich in Louisiana war, und dem tatsächlichen Abschied ging viel schneller vorbei als irgendein anderer Abschnitt des Jahres. Das lag vor allem daran, dass der Freundeskreis immer mehr miteinander gemacht hat. Uns wurde innerlich bewusst, dass wir nicht mehr lange Zeit haben. Auch meine Zimmermitbewohner (Roommates) und ich verstanden uns noch besser als sowieso schon davor und machten viel zusammen.
In der Zeit zwischen Winter Break (Februar) und Spring Break (April) war nicht viel Besonderes los. Wir konnten noch bis April jedes Wochenende Ski- und Snowboard fahren. Nicht nur auf dem Berg sondern auch bei uns in St. Johnsbury lag noch sehr viel Schnee und es war immer noch ziemlich kalt. Die Leute dort sprachen von dem längsten und schneereichsten Winter seit dem aufgezeichnet wird und wir rannten schon in T – Shirts herum sobald es 0°C gab, weil wir es als viel wärmer empfanden.
Schulisch hatte ich auch relativ viel zu tun. Vor allem in Geschichte und Mathe, wobei Mathe nach einer Weile auch funktioniert hat und ich meine ersten besseren Noten geschrieben habe. Meine Nachmittage und manchmal auch Teile meiner Wochenenden verbrachte ich mit Tanzen. Meine Tanzgruppe und ich hatten bald einen großen Auftritt bei unserer Fashion Show und wir trainierten jeden Tag. Das Video gibt es auch auf der Website (
www.stjacademy.org) unter „Medialinks“ und dann „Fashion Show 2008“.
Die ganze letzte kalte Zeit freute ich mich auf Spring Break, denn in diesen Ferien wollte ich mit einem Schulausflug und viele Freunden nach New York City und Washington DC für eine Woche. Das haben wir dann auch gemacht. Wir fuhren restlichen liegengebliebenen Schnee los und kamen im sonnigen, warmen NYC an. Wir sind mit kleinen gelben Schulbussen gefahren. Es war nicht besonders gemütlich, aber wir hatten als Gruppe trotzdem viel Spaß. Wir haben etwas außerhalb von NYC übernachtet, in New Jersey und mussten immer mit dem Bus ca. 20min fahren. Die Schule hatte einen Guide engagiert, der uns zu den wichtigsten Plätzen geführt hat und uns Tipps geben konnte, falls wir Fragen hatten. Wir sind in ein Broadway Musical gegangen, haben auf Time Square gegessen, sind durch den Central Park gejoggt und haben Ground Zero besichtigt. Für jeden war etwas im Programm und wenn man überhaupt keine Lust hatte mit der Gruppe etwas zu machen konnte man natürlich auch alleine rumlaufen. Das haben wir aber nicht gemacht, denn wir hatten auch so genug Freiheiten. Wir sollten nur um 23Uhr im Hotel sein, aber an dem Abend als wir im Musical waren, wurde auch damit eine Ausnahme gemacht. In Washington DC waren wir leider nur einen Abend und den darauffolgenden Tag. Wir haben uns also die ganze Staatsmuseen angeschaut und auch das weiße Haus. Es war also eher kulturelles Programm aber alles auf eigene Faust, ohne Guide. Auch diese Woche Ferien ging viel zu schnell vorbei und als wir in St. Johnsbury ankamen, war fast der ganze Schnee geschmolzen. Das grüne Gras wurde langsam sichtbar und auch Blätter auf dem Bäumen zeigten sich. Die Tage wurden richtig warm, fast schon heißt, die Nächte jedoch konnten noch unter 0°C werden, so dass morgens das Gras etwas eingefroren war.
Die letzten 6 Wochen habe ich wirklich nur mit Freunden verbracht. Nach dem Auftritt der Tanzgruppe haben wir aufgehört zu trainieren, da viele von uns mit der Schule und den letzten Examen zu viel zu tun hatten und sich nicht auf beides konzentrieren konnten. Meine Freunde und ich haben uns entschlossen mehr miteinander zu machen, als die ganze Zeit zu lernen, denn wie Zeit war begrenzt und die Schule war zweitrangig geworden. Manche Lehrer haben das auch gesehen und rücksichtsvoll weniger Hausaufgaben gegeben. Da nun keine Skiausflüge mehr waren mussten wir unsere Wochenenden anders verbringen. Wir sind z.B. einmal River Rafting gewesen, mit Campen an einem See zum Kanufahren und abends Grillen. An einem anderen Tag sind wir auch an einen Strand in Maine an der Ostküste gefahren. Das war aber doch noch ziemlich kalt. Das ist ungefähr vergleichbar mit der Nord-/Ostsee im Frühling.
Die letzten Tage rückten näher. Examen wurden geschrieben. Die ersten Leute gingen schon früher nach Hause. Es ist einfach unvorstellbar Abschied zu nehmen und genau zu wissen, das man sich wahrscheinlich nie wieder im Leben sehen wird und wenn, dann nicht mehr alle zusammen am gleichen Ort. Klar, man sagt zu allen, dass man in Kontakt bleibt und auch mal wieder zu Besuch kommt, aber selbst mit Internet und E-Mails ist das alles leichter gesagt als getan.
Der letzte Abend für viele war Prom - Night. Diejenigen die viele High-School – Filme anschauen kennen das vielleicht. Es ist wie ein Abschlussball für die Abschlussklasse und man kommt auch nur als Mitglied dieser Abschlussklasse oder als Date herein. Danach gibt es auch noch die After – Prom – Party, die bei uns in der Schule in der Sporthalle war. Dort gibt es dann verschiedene Spielchen, ein Konzert etc. Manche von uns sind die ganze Nacht dort geblieben, nur damit wir die letzte Zeit miteinander verbringen können. Morgens gegen 5 Uhr, es war schon hell draußen, sind wir noch für ein paar Schlafstunden ins Bett aber bald mussten wir schon wieder aufstehen, denn die ersten wirklich guten Freunde wurden mit dem Bus abgeholt und zu Flughafen gebracht.
So ging es weiter die nächsten Tage, meistens haben wir schon um 5:45 Uhr Leute verabschiedet und sind später wieder ins Bett. Ich selbst war eine der Letzten die gegangen ist, denn ich wurde von meiner Freundin zu ihrer Zeugnisübergabe und den ganzen Abschlussveranstaltungen eingeladen. Der Abschied war für mich selbst also nicht mehr schwer, denn alle meine Freunde waren sowieso schon weg. Tränen sind schon genug gelaufen und ich konnte mich nun wieder richtig auf zu Hause freuen. Etwas Besonderes bei mir war, dass 2 meiner guten Freunde mich gleich nach Deutschland begleiteten. Sie machten quasi Urlaub in Deutschland und haben bei mir gewohnt. So war auch die Umstellung nicht ganz so extrem von Anfang an.
Jetzt bin ich aber schon wieder fast 6 Wochen zu Hause. Ich hatte viel zu tun, das merkt man vielleicht auch daran, dass ich diesen Bericht erst so spät schreibe. Zuerst hatte ich natürlich

Besuch und danach, da ich nicht in die Schule muss, habe ich ein Praktikum in einem Hotel angefangen. Das dauert insgesamt 8 Wochen und wird auch damit ein Teil meiner Ferien einnehmen. Es macht aber trotzdem Spaß und ich merke schon wie ich Erfahrungen und Sprache von Amerika einsetzen kann. Und noch etwas, klar ich habe „Fernweh“ nach Amerika und ich vermisse die ganzen Leute und Freunde schon ziemlich. Manchmal kann es auch langweilig sein, zu Hause zu sitzen und zu wissen, dass man nicht einfach so ein Zimmer weiter gehen kann, weil dort eine gute Freundin sitzt. Es ist eine Umstellung vom einen Extrem ins andere. Aber um Eltern zu beruhigen, es ist auch schön wieder zu Hause zu sein, man weiß nur manchmal nicht, was man nun mit dieser Erfahrung, die man gemacht hat, anfangen soll. Frau Nottebohm hat bei dem Vorbereitungstreffen in Weinheim gesagt, dass man versuchen muss 2 Klaviere auf einmal zu spielen und diese dann zu kombinieren. Das fällt am Anfang noch schwer, aber nach und nach wird das schon funktionieren.
Das soll nun mein letzter Bericht für diese Homepage sein. Wenn ihr nun aber noch Fragen habt oder auch noch mehr über eine bestimmte Zeit/Sache wissen wollt, könnt ihr mir immer schreiben (
daniklaile [at] yahoo .com) und ich werde gerne weiter berichten. Es gibt immer noch mehr Lustiges und Interessantes zu erzählen und meistens fällt mir nicht alles ein, wenn ich gerade dabei bin zu schreiben. Sonst hoffe ich, dass euch meine Berichte gefallen haben und auch nicht langweilig geworden sind. Ich glaube man muss das alles einfach am besten selbst erleben um ein reales Bild zu bekommen. Das war’s also von mir.
Liebe Grüße
Eure Dani