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EINZELBERICHT
 
 
Nikola Kerkhoff (Juli 2009)
 
 

Viele spielen mit der Idee ein Jahr ins Ausland zu gehen, weit weg von zu hause in einer anderen Kultur. Dies habe ich 2004 mit der Hilfe von SSB getan.

Der SSB hat mich motiviert und für mich die Colorado Rocky Mountain School ausgesucht: Skilaufen in Aspen, das war der Hintergrund.

Vor meiner Abreise war ich ein wenig nervös, aber mehr noch habe ich mich tierisch auf dieses Abenteuer gefreut. Nach zwei Flügen und einer fast 14 stündigen Anreise war ich endlich am Ziel - in den Bergen von Colorado. Ich wurde zusammen mit anderen internationalen Schülern am Flughafen in Denver abgeholt und zur Schule gefahren, meiner neuen Heimat.
In der folgenden Woche waren nur internationale Schüler, Koreaner, Japaner und Deutsche auf dem Campus. Uns wurden die Schulregeln erklärt, die Kultur näher gebracht und die Scheu vor der englisch Sprache genommen. Wie in Amerika üblich, wurden wir von älteren Schüler in dieser Woche betreut. Keiner sprach Deutsch!

Es ist an der CRMS üblich, dass jeder neue Schüler an einem 10-tägigen Backpacking Trip teilnimmt. Hierbei gehen Schüler und Lehrer in Gruppen von 12 in die Rockies zum wandern, die Natur zu erleben und auch sich selbst zu erfahren. Es war mein erster Wandertrip, der länger als ein paar Stunden dauerte und bei dem ich Essen und Klamotten selber tragen musste. Erst fand ich die Idee aufregend, in der ersten Nacht im Freien, dann nicht mehr so toll. Und noch lagen 9 Tage vor uns. Aber man gewöhnte sich schnell ans nicht duschen und den harten Boden, auf dem man schlief. Am Ende der Woche, als unser Proviant aufgebraucht war und wir fast schon am Ende unseres Trips waren, lieferten wir uns ein Rennen zum Bus.

Heißgeduscht und gut ausgeschlafen war es dann am nächsten Tag endlich soweit. Alle anderen Schüler zogen ein und auf dem Campus wurde es laut und lustig, das Schuljahr begann. Mit dem ersten Schultag kamen dann auch meine ersten Zweifel: bisher kam mir alles wie Urlaub vor, aber jetzt wurde mir bewusst, dass ich hier zur Schule gehen musste und nicht nur "rumeiern" konnte.

Ich lernte schnell, dass Schule in Amerika etwas ganz anderes ist als zuhause in Köln. Mal abgesehen von der Sprache, waren nur noch 9 andere Schüler mit mir im Klassenzimmer. Man konnte sich nicht "verstecken".
Wenn ich in Deutschland bis in die Puppen getanzt habe, wurde diese Zeit in Amerika mit Lesen und Lernen gefüllt. Mir wurde direkt in der ersten American History Stunde mitgeteilt, dass wir in diesem Semester einen 15-seitigen Aufsatz schreiben müssen und in den anderen Kursen sah es nicht anders aus.
Zwar musste ich in Amerika mehr lernen als in Deutschland, aber dafür wurde es immer einfacher. Durch wöchentliche Tests hinkte man nie mit dem Stoff hinterher und die Lernzeit verkürzte sich. Bis auf American History lief alles prima. Hier musste ich mir einen Tutor nehmen, weil ich mit täglich 30 Seiten lesen, überfordert war und den Text nicht verstand.
Meine Noten verbesserten sich von einem D in den ersten Wochen zu einem B am Ende des Jahres, und in meinem 15-seitigen Aufsatz gab es sogar ein A.

Die Lehrer an der CRMS haben mir sehr geholfen, sie waren rund um die Uhr für einen da, ob es jetzt wegen einem schulischen oder persönlichen Problem war, egal. Man hatte eine eher freundschaftliche und respektvolle Beziehung zu ihnen. Da alle Lehrer bei CRMS wie wir auf dem Campus lebten, funktioniert es wie in einem kleinen Dorf, man half sich gegenseitig - Lehrer sind für einen immer zu erreichen.

Mit meinem Kayakcoach habe ich den Abend verbracht, nachdem ich am Nachmittag auf seinen 4 jährigen Sohn aufgepasst habe. Mein Skicoach war gleichzeitig meine Betreuerin im Dorm und verheiratet mit meinem Englischlehrer. Durch diese fast freundschaftlichen Beziehungen, wollte man dann die Lehrer auch nicht enttäuschen und hat sich im Unterricht extra angestrengt. So habe ich 2 Jahre in den Rockies verbracht, meinen Abschluss gemacht, Skirennen gefahren und viel über das „grüne“ Amerika gelernt.

Nach der High School bin ich direkt aufs College. Damals habe ich mir keine Gedanken über andere Optionen gemacht, da ich noch ein Jahr an einer Uni in Amerika brauchte, um in Deutschland mit dem Studium anzufangen. Ein Jahr an einer amerikanischen Uni studieren und dann in Deutschland noch mal von vorne anzufangen, klang idiotisch. Also bin ich in Amerika geblieben. Jetzt bin ich an der University of New Hampshire, die Berge sind nicht weit und ich habe noch ein Semester. Dann habe ich meinen BA in Economics, spreche deutsch, englisch und spanisch und meine Freunde in Deutschland fangen gerade erst mit dem Studium an. Der einzige Wehrmutstropfen: arbeiten kann man in den USA als Student nach 9/11 nicht mehr neben dem Studium.

Durch meine Zeit an der CRMS und UNH habe ich eine Idee entwickelt, was ich mit meinem Leben anfangen will. Ich war in Peru um mein Spanisch zu verbessern, arbeitete für ein soziales Projekte in Guatemala und New Orleans, war für ein Semester in Shanghai/China und spreche jetzt auch chinesisch.

Meine Zeit in Amerika hat mich engagierter gemacht und ich weiß, dass Engagement sich auszahlt.

 
 
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