Nun ist das Schuljahr auch schon vorüber und es wird höchste Zeit, sich zu überlegen, wie es im nächsten Jahr weiter gehen soll. Da stellt sich natürlich sofort die Frage, ob ich ein weiteres Jahr in der St. John’s Ravenscourt School in Winnipeg, Kanada dranhängen und dort meinen Abschluss machen soll oder ob ich wieder zurück nach Deutschland kommen soll um dann die K12, K13 und das Abitur zu machen. Die Entscheidung fiel mir da eigentlich nicht sehr schwer: Auch wenn ich meine Freunde in Deutschland noch ein Jahr vermissen werde, scheint mir ein weiteres Jahr in Kanada die bessere Wahl zu sein.
Verschiedene Gründe haben mich dazu bewogen, ein weiteres Jahr in Kanada zu machen. Der wohl wichtigste Punkt ist, dass ich meine Sprachkenntnisse nochmal weiter vertiefen kann, aber auch die Erfahrung, die ich noch sammeln und die mich im späteren Leben weiter bringen kann. Es gibt aber auch noch weitere, nicht so wichtige Gründe. Einer von diesen ist auf jeden Fall das Eishockey. Dieses eine Jahr Eishockey hat mir sehr viel gebracht und ich habe mein Können um ein Vielfaches verbessern können. Ich hoffe, ich kann dies noch steigern, wenn ich noch ein weiteres Jahr in SJR anhänge. Ein weiterer Grund ist, dass ich dann nur bis zur 12. Jahrgangsstufe und nicht so wie in Deutschland bis zur 13. Jahrgangsstufe in die Schule gehen muss. Ich kann mir also ein Jahr sparen und ich muss nicht den ganzen Sommer über für einen Wiedereintritt in das deutsche Schulsystem den Stoff nachlernen, den meine Mitschüler über das letzte Schuljahr durchgenommen haben. Vor allem in Mathematik ist der Unterschied sehr groß, wie ich feststellen konnte, als ich, nachdem ich nach Deutschland zurückgekommen bin, in der Schule vorbeigeschaut habe und mich mit in den Unterricht gesetzt habe. Es war schon ein großes Erlebnis, den Unterricht einer deutschen Schule noch mal zu besuchen, denn nun, da ich für ein Jahr ein anderes System besucht habe, konnte ich erstmals die Unterschiede entdecken und den eigenen Unterricht, in dem ich viele Jahre gesessen bin, aus anderen Augen sehen. Teilweise war es schon etwas erschreckend, denn die Schüler haben hier in Deutschland viel mehr Freiheiten, was das Verhalten im Unterricht angeht. Auf der kanadischen Privatschule konnte man sich nicht vorstellen, soviel im Unterricht miteinander zu reden, wie es zum Teil an einer deutschen Schule der Fall ist. Auch das Verhältnis zwischen Lehrern und Schülern weist große Unterschiede auf, auch wenn es auf der Schule, auf die ich jahrelang in Deutschland ging, nicht so schlimm ist, da sie auch schon einen sehr hohen Standard hat. Aber ich kenne auch andere Schulen um das Jakob-Brucker-Gymnasium herum, bei denen es nicht so geordnet zugeht. Ich werde auch jetzt immer häufiger von den Lehrern des Jakob-Brucker-Gymnasiums angesprochen, ob ich mir vorstellen könnte, in Deutschland eine Ganztagsschule einzuführen, da dies ja immer mehr zum Thema wird. Ich kann jedes Mal nur sagen, dass eine Ganztagsschule zu diesem Zeitpunkt keine Chance in Deutschland hat. Um eine Ganztagsschule in Deutschland durchzuführen, muss sich erst die allgemeine Einstellung der Schüler und mancher Lehrer zur Schule ändern, was fast unmöglich ist, aber auch die ganze Organisation muss sich ändern. Zum Beispiel müssen alle Sportvereine und andere Aktivitäten wie Musik oder Alpenverein an die Schule gebracht werden, da es unmöglich ist, bis 4 Uhr zur Schule zu gehen, dann noch eventuell eine halbe Stunde zu dem Verein etc. zu fahren und dann danach auch noch irgendwann Hausaufgaben zu machen.
Neben diesen Zukunftsplänen gab es aber auch noch etwas Anderes, viel Näheres, zu bedenken. Wie wird es mit dem Wiedereintritt in den deutschen Alltag? Erst war mir schon komisch zu Mute, wenn ich daran gedacht habe, wie es sein wird, wenn ich nach diesem einen Jahr der Selbstständigkeit und Freiheit wieder zu meiner Familie in Deutschland zurück kehre, aber wie sich dann Gott sei Dank herausgestellt hat, hatte ich keine Probleme, da ich einfach nicht so viel darüber nachgedacht und auch nicht so viel erwartet habe, denn wenn man zu viel erwartet und es dann nicht eintritt, wird einem das Leben unnötig schwer gemacht. Meiner Meinung nach ist man viel anpassungsfähiger, wenn man nicht so viel darüber nachdenkt, wie es sein wird, sondern sich einfach überraschen und es auf sich zukommen lässt. Jedenfalls hat es bei mir funktioniert, aber es verlangt natürlich auch etwas Selbstdisziplin, Gelassenheit und Übung.
Nach meiner Rückkehr hatte ich auch die Möglichkeit, mit ein paar anderen Schülern zu reden, die ins Ausland gegangen sind und jeder hat im Prinzip das Gleiche gesagt: Er oder sie hat das Jahr genossen und würde es sofort wieder tun! Diese Schüler haben sich auch in der ganzen Art geändert. Auch ich merke es selber, dass ich mich verändert habe. Man wird viel offener zu Neuem, man geht offener auf Leute zu und man sieht andere Kulturen in einem ganz neuen Licht. Ich habe auch selber gemerkt, dass man viel toleranter in allen Beziehungen wird.
Ich habe aber auch erst richtig gemerkt, wie viele Leute mich in meiner Schule kennen und mir sind zum ersten Mal Schüler aufgefallen, mit denen ich davor eigentlich nie irgendein Wort gewechselt habe, aber die mich gleich gekannt hatten und mich begrüßt hatten, worauf hin ich ziemlich lange mit ihnen geredet habe. Man bekommt auch ein ganz anderes Verhältnis mit seinen Freunden. Was bei mir sogar dazu geführt hat, dass ich freiwillig in meinen Ferien in die Schule gehe, nur um mit meinen Freunden zusammen zu sein und ich habe auch sogar ein paar Arbeiten für die Schule angenommen um die mich Lehrer gebeten haben, da sie mich alle kennen und da ich jetzt ein viel viel besseres Verhältnis mit ihnen habe.
Ich kann so ein Auslandsjahr also nur empfehlen, denn es öffnet einem die Augen und man bekommt so viel neue Erfahrung. Und natürlich kann man auch seine Sprachkenntnisse um ein Vielfaches verbessern, was sich gezeigt hat, als ich in den Englischunterricht meiner Mitschüler gegangen bin und sie reden gehört habe. All das, was man in so in einem Jahr lernt, ist so unbezahlbar viel wert und nicht jeder macht diese Erfahrungen, welche dann im späteren Leben natürlich sehr viel wert sein werden, wenn man was daraus macht!
Zum Schluss will ich noch anmerken, dass es, wie ich durch Gespräche mit anderen Schülern lernen konnte, einen riesigen Unterschied macht, ob man im Ausland auf eine öffentliche Schule geht und dann nicht so viel zahlen muss, oder ob man auf eine private Schule geht, die natürlich etwas teurer ist. So ziemlich alle der Schüler, die auf einer öffentlichen Schule waren, mussten nie viel lernen und haben dementsprechend auch ein Defizit, während die Schüler, die eine Privatschule besucht haben, sogar einen Vorsprung auf ihre deutschen Mitschüler haben!
Ich wünsche allen denen, die ein Jahr im Ausland planen, viel Glück und Erfolg und vor allem auch viel Spaß!!! Ihr tut das Richtige!!!